Selbstwertgefühl und Perfektionismus

Letzte Woche hatte ich handarbeitstechnisch – und wahrscheinlich auch allgemein einen Durchhänger. Ich habe meiner Joseva versucht einen neuen Look zu verpassen und „eigentlich“ finde ich ihn ganz gut. Wenn da dieses „eigentlich“ nicht wäre.

Ich wollte ihr einen Mund aufsticken – hat nicht geklappt – zwischendurch habe ich echt gedacht, dass ich es überhaupt nicht mehr gebacken bekomme – was dann auch so war – und habe ihn weggelassen.

Die Zöpfe sehen viel kleiner aus als sonst, obwohl ich an der Maschenanzahl nichts verändert habe.

Der Kragen ist ok, aber auch wieder nicht so wie beim letzten Mal, obwohl ich – wie unerwartet – die Maschenanzahl nicht verändert habe.

Und dann kommen da diese Blockaden, die mich völlig lähmen weiterzuhäkeln. Ich überlege, was ich hätte besser/anders machen können, oder ob ich sie wegwerfen soll und nochmal von vorne beginne… Das ist echt so strange… Ich habe das Püppchen jetzt auf den Tisch gelegt und von dort guckt sie mich jeden Tag an – klar… sie hat ja jetzt auch Augen ! Hätte sie geschlossene Augen würde sie mich nicht anstarren und es mir vielleicht leichter machen 😀 … vielleicht…

Ich zweifle dann an meinen ganzen Werken und denke mir: Naja… sooooo besonders sind sie auch nicht, obwohl ich in jedes einzelne Häkelstück erstmal verliebt bin. Erstmal… denn ich fotografiere ja alle Sachen ab, die ich gehäkelt habe und stelle dann auf den Bildern fest: Ach du Lieber! Der eine Faden (mit dem ich die Nase aufgestickt habe) liegt nicht parallel zu den anderen. Der Mund ist nicht direkt unter der Nase! Der eine Zopf ist schepp usw, usf… Ich könnte die Liste beliebig ergänzen.

Ich bin immer so selbstkritisch… Kennt ihr das? Warum kann man sich nicht einfach mal selber sagen, dass alles ok ist?

Tja… zur Ablenkung setze ich mich dann hin, fange an eine kleine Sonne zu häkeln um mich selber aufzuheitern und *ZACK* – die geht von der Nadel, als ob ich sie schon zum hundertsten Mal gehäkelt habe. Unglaublich oder?

Ich reflektiere mich ja gerne und (gerne! 😀 – nicht gerne, aber ich denke ab und zu macht es wirklich Sinn) stelle fest, dass dieser Perfektionismus manchmal echt mega stressig ist. Ja ok, es bedarf eines gewissen Perfektionismus, denn ich will ja tolle Arbeiten abliefern, aber ab und zu setzt er mich total unter Strom. Hin und wieder meldet sich dann auch mein Kopfkino bezüglich der Übergabe meiner Häkelarbeiten: “ Was ist, wenn es nicht gefällt? Es sieht total schäbig aus!“… Da spinn ich mir dann echt was zusammen (Ist bis jetzt nur einmal passiert, aber da haben wir einfach aneinander vorbeigeredet, was die Farben betrifft).

Natürlich hat es bestimmt auch damit zu tun, dass ich bestimmte Sachen einfach lieber mache, nämlich solche Sachen, die für mich eine Herausforderung darstellen im Sinne von: Das habe ich noch nicht gehäkelt oder: Wir lassen uns überraschen. Mach mal! (so ist z.B. die Aschenputtel-Kinderwagenkette entstanden. Das war echt cool, wenn man so viel Vertrauen bekommt und jemand sagt: Hau rein… Egal, was es wird. Und: Es ist tatsächlich so, dass ich bei Nicht-Auftragsarbeiten einfach entspannter bin und auch wesentlich schneller fertig bin.

Lange Rede – kurzer Sinn: Ich mag meinen Perfektionismus in gewissen Situationen und auch meine Selbstkritik, aber irgendwann muss es auch mal gut sein. Mein neues Ziel: Die Kirche mal im Dorf lassen und mich über fertige Sachen freuen, etwas mehr Selbstwertgefühl aufrechterhalten, weniger Kopfstress produzieren und stolz auf mich sein – darf man ja wohl auch mal! *Tschakka!*

Wenn meine Testhäkler mit der Sonne durch sind, dann stelle ich euch die Anleitung hier ein… oder ich habe mit der Anleitung noch etwas kleines großartiges vor. Mal sehen… ein paar Sachen machen mir da noch im Kopf rum.

Euch eine sonnige Woche (es soll ja 40 Grad geben – mein Startschuss um mich in ein nasses Laken einzuwickeln und mich in den Keller zu setzen). Außerdem freue mich über meine kleine Sonne… erstmal…. 😀

Lassts euch gut gehen.

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