Handarbeit und Mindestlohn

… passen nicht zusammen, oder?

Wir, damit meine ich unseren Verein, organisieren jedes Jahr/jedes zweite Jahr einen Hobbykünstlermarkt. Er ist klein und fein, aber trotzdem sehr vielfältig. Es gibt Gehäkeltes und Gestricktes, Genähtes, Schilder aus Holz und Figuren aus Rost, beplottete Weckgläser, selbstgemachte Kerzen, gebundene Kränze, selbstgemachte Marmelade und Liköre, usw… die Liste ließe sich beliebig verlängern.

Ok… kommen wir zum Thema, was mich wirklich ärgert:

An Besuchern mangelt es nicht, an der Romantik auch nicht, die Verkäufer sind nett, die Stimmung ist toll.

So… und warum kauft dann niemand etwas? Wir streiten jetzt nicht über Geschmäcker, sondern um die Preise…

Der Mindestlohn in Deutschland beträgt im Jahr 2019: 9,19 Euro. Pro Stunde! (nicht zu vergessen).

Ich gehe jetzt von mir aus: Ich biete eine Schnullerkette an für 14 Euro. An dieser Schnullerkette sitze ich 2 Stunden. Das bedeutet ich würde einen Lohn von 18,38 Euro bekommen. Allerdings sind hier die Materialkosten noch nicht einberechnet. Der Schnullerclip muss gekauft werden, der Silikonring, die Holz- und Silikonperlen, aber bitte alles schadstoff-frei, weil keiner seinem Kind irgendetwas an die Jacke hängen möchte und dann schnullert das Baby vielleicht auch noch drauf rum. Dann muss es natürlich auch eine Sicherheitsschnur sein, die verschweißt werden kann, so dass kein Baby erstickt, falls die Kette aufgeht und die Perlen durch die Gegend purzeln. Das Garn soll bitte in Deutschland hergestellt sein, zu 100 % Baumwolle – es soll nicht fusseln oder sich aufribbeln – sieht dann nämlich hässlich aus (das Baby, welches die Fusseln im Mund hat und die Figur dann auch 😉 )

…. Merkt ihr was? Mein „Lohn“ ist schon deutlich höher, als der Betrag, den ich verlange…

Wir sind keine Großhändler, die den Mengenrabbat für 10000 Schnullerclips oder 20 kg Garn bekommen! Wir zahlen das gleiche wie ihr im Laden!

Die meisten, die den Beitrag lesen sind wahrscheinlich selber „Hobbykünstler“ und kennen das Problem…

Wir investieren so viel Liebe, Zeit, (jaaa auch Geld!) und vor allem noch mehr Zeit in die Herstellung von Puppen, Kissen, Stickbildern, Beplottetem (habt ihr schon mal einen Schriftzug geplottet und auf ein Weckglas übertragen? Ne? Dann macht mal… da wirste nämlich auch grad verrückt dabei, wenns nicht läuft), geflochtene Weidenkränze, klitzekleine Schlüsselanhänger und vielem mehr…

Wird das nicht wertgeschätzt? Am Besten wäre es, alles kostet 5 Euro, weil hei! „Die verdienen ja nicht ihr „normales“ Geld damit“… und alles was über 5 Euro liegt wird erstmal 2 Stunden lang abgewogen.

Dass die Hobbykünstler bereits seit 5 Stunden in ihrer kalten Verkaufsbude sitzen ist übrigens auch selbstverständlich 😉

Ich schreibe überspitzt, aber im Endeffekt ist es ja so. Keiner will Billigware, aber billig soll es sein. Jeder will Bio, aber kosten darf es nix. Regional?! Ja natürlich, aber nicht hier und heute… Alle möchten unsere Kunstwerke, aber dann doch lieber nicht #ausGründen

Ich finde es ziemlich ernüchternd und es macht mich irgendwie – ja, es ist ne Mischung aus wütend und traurig, vor allem, wenn man selbst betroffen ist.

So. Das war das Wort zum Sonntag… Macht`s mal schön und an alle Mitstreiter: Verkauft euch bloß angemessen! :-* <3


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